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Heuraufe mit Durchfressgitter

Raufe in Betrieb Das Foto wurde nach einem orkanartigen Sturm aufgenommen. Die Heuverluste sind sonst deutlich geringer.

Inspiriert von der Equitana und den dort zu sehenden unbezahlbaren Großraufen haben wir uns überlegt, wie man ein solche Raufe für unseren großen Offenstall selber bauen könnte. Daraus entstand ein Projekt, das hier vorgestellt werden soll:

Bau einer Heuraufe mit 2 x 10 =20 Heufressplätzen (die Platzzahl ist natürlich theoretisch!).

Unsere Raufe ist 6,00 m lang und hat einen umlaufenden Dachüberstand von 2,00 m. Die Pferde können an den langen Seiten fressen. Die Innenbreite beträgt ca. 1,50 m, damit man große Ballen (Quader- und Rundballen) hinein schieben kann. Bei den von uns realisierten Maßen kann man die Raufe mit 4 Rund- oder 2 Quaderballen füllen. Dies reicht bei 20 Pferden 5 - 7 Tage je nach Ballengröße.

Diese Raufe wird für die meisten, die hier lesen, viel zu groß sein, das Bauprinzip, mit den gesteckten Wasserrohren lässt sich aber auch für kleinere Raufen umsetzen. Der Vorteil ist, dass dieses sehr stabile Raufengitter auch ohne Schweißarbeit nur mit Zusammenschrauben erstellt werden kann. Wenn die Raufengitter wie bei uns zu einer Raufe zusammengebaut werden sollen, ist Schweißarbeit sinnvoll aber wenn das nicht zu realisieren ist, können auch alle Teile auch mit Laschen zusammengeschraubt werden. 

Vorüberlegungen:

Da die Raufe sehr stabil und auch sehr langlebig sein soll, kommt nur eine Metallkonstruktion in Frage. Um das Metall präzise bearbeiten zu können, bedarf es einiger besonderer Werkzeuge, die für dieses Projekt beschafft wurden:

Heuraufe fertig zum Verzinken Nach dem Bohren und Schweißen liegt alles für den Abholdienst der Feuerverzinkerei bereit.
  • Einfache elektrische Kappsäge mit möglichst großer Schnitttiefe (Baumarkt 69 €)
  • Hochwertiges Metallsägeblatt für Kappsäge (Internetversandhandel 70€)
    Wichtig zu wissen: Solche Sägeblätter lassen sich schärfen!
  • Drehzahlregler für Kappsäge und ggf. auch für Bohrmaschine (Internetversand Pollin Elektronik 50€)
  • Magnetfußbohrmaschine gebracht - wenn irgend möglich mit regelbarer Drehzahl. Alternativ kann der Drehzahlregeler der Säge in die Stromzufuhr der Bohrmaschine eingeschleift werden. (Ebay Kleinanzeigen 60€)
  • Lochsäge (Großlochbohrer) 49mm (Internetversandhandel 50 €)
  • Oberfräse mit 20 mm Fräskopf zum Anpassen der Siebdruckplatten an die Aluminium H-Profile (Ebay Kleinanzeigen 90€)
  • Schweißgerät Ebay(!) (optional kann auch alles verschraubt werden)
  • je nach Größe der geplanten Raufe ist ein oder sogar zwei Arbeitsgerät(e) für die Montage notwendig. 
Beschickungstür fertig geschweißt Aus dem kleinen Quadratohr wird ein Rahmen geschweißt und mit Laschen für die spätere Holzfüllung und mit den Anschweißteilen für die Schaniere versehen.

Bei allen diesen Spezialwerkzeugen, die man vielleicht nie wieder braucht, verfolgen wir die Taktik, gute Werkzeuge günstig gebraucht zu kaufen und nach Benutzung ggf. auch wieder zu verkaufen. Insofern sind die Beträge, die hier für das Werkzeug genannt werden nur zu einem kleinen Teil zu den Baukosten der Heuraufe zu zählen!  

Material:

Da die benötigte Materialmenge stark von der geplanten Raufengröße abhängt werden hier nur die Materialien und ihre Verwendung beschrieben. In der folgenden Beschreibung des Aufbaus werden Hinweise gegeben, wie sich Materialien optimal einsetzen lassen.  

  • Wasserrohre 1,5 Zoll verzinkt als Raufenstäbe
  • Vierkantrohr 100 x 100 x 4 mm schwarz als Rahmen für die Raufenstäbe, Kostruktionsaussteifung und Halter des Raufendachs
  • Vierkantrohr 50 x 50 x 4 mm schwarz für die Befülltür 
  • Flacheisen 60 x 4 mm schwarz als Material für Verbindungslaschen (besser 80 x 4 mm)
  • Winkelprofil 50 x 50 x 4 mm schwarz als Aufhängung für den erhöhten Futtertisch
  • U-Baustahlprofil 50 x 50 x 4 mm schwarz als Holzaufnahme (wie bei Boxenwänden)
  • Aluminium H-Profil 25 x 50 x 2 mm zur Verbindung der Siebdruckplatten auf dem Futtertisch (Ebay Alulutz)
Türrahmen der Raufe Bei Schweißkonstruktionen die verzinkt werden sollen, müssen immer ausreichend große Löcher vorhanden sein, damit das flüssige Zink eindringen und wieder ablaufen kann.
  • Torband 144x138x37x30xØ12mm U-Bügel Stahl roh für die Türschniere (z.B. ZoroTools.de)
  • Siebdruckplatten 1,52 x 3,00 m 22 mm dick (Holzhandel)
  • Restposten Tropenholzbohlen 50 cm lang 40 mm stark für untere Abgrenzung (Ebay)
  • Holzbalken 100 x 200 mm 6 m lang für die Dachblechhalterung mit 2,25 m Dachüberstand
  • Stahltrapezprofil M 150/280/0,88 mm Dachbleche mit Statik für 6 m Binderabstand (Hersteller Münker über Fachhandel gekauft)
  • V2A Spezialschrauben um die Dachbleche am Holz zu befestigen und um die Bleche untereinander zu verschrauben (vom Lieferanten der Trapezbleche!)
  • Stuhlschrauben 10 mm zur Verbindung der Stahlkonstruktion
Säge und Bohranweisung  Hier ist die Liste alle Laschen die wir für das Projekt verwendet haben
Sägen, Bohren und Schweißen:

Zunächst haben wir die Wasserrohre alle auf die gleiche Länge von 2,00 m geschnitten (Lieferlänge ist 6 m = 3 Raufenrohre).
Aus zwei der dicken Vierkantrohre haben wir die vier Stützpfeiler gesägt. Die Längen der Pfeiler sind so gewählt, dass später ein Dachgefälle von 10% entsteht. Bei 6 m Raufenlänge sind das 2,70 m und 3,30 m (Die Lieferlänge dieser Rohre ist 6 m). Bei den Überlegungen zur Dachhöhe ist die die Höhe der Arbeitsmaschinen im Betrieb und die Reduzierung der Dachhöhe durch den Dachüberstand zu berücksichtigen. 

Aus dem Flacheisen haben wir Streifen von verschieden Längen gesägt (siehe Bild) und daraus Laschen für die Fußplatten, die Dachbalkenhalter, die Rahmenverbinder  und die Siebdruckplattenhalter hergestellt. Diese wurden an die Dachpfosten angeschweißt.

Bohranweisung für die Raufenstäbe  Der Trick war, am Computer solange mit den Zahlen zu jonglieren, dass kein Verschnitt bei den Rohren entstand.

Im nächsten Schritt haben wir vier der großen Vierkantrohre nach einem vorher am Computer überlegten Schema mit Löchern versehen, wo dann in der Montage die Raufenstäbe eingesteckt werden. Berücksichtigt werden müssen die Leitlinien Pferdehaltung, die einen Rohrabstand von maximal 50 mm erlauben und die Erfahrung, dass es Sinn macht, den Durchfressbereich V-förmig zu gestalten. Die Bohrarbeit geht mit einer Magnetfußbohrmaschine sehr exakt und einfach (es dauert halt nur sehr lange - bei uns waren das 120 Löcher!).

An diese Vierkantrohre wurden die Verbindungslaschen zu den Pfosten und am unteren Rohr noch das U-Profil geschweißt. Dieses wird benötigt, um die Nut- Federbretter im Fuß der Raufe zu halten.

Die bisher nicht bearbeiteten U-Profile und die Winkelprofile haben wir mit 11 mm Montagelöchern (alle 500 mm) versehen. Das ist zwar nicht unbedingt notwendig, es steigert aber den Korrosionsschutz, wenn diese Arbeiten vor dem Verzinken durchgeführt werden.    

Die letzte vorbereitende Aktion war das Sägen der unteren Pfostenverbindungen an den Schmalseiten. Das exakte Maß wurde durch die Breite der Siebdruckplatten plus 10 mm vorgegeben. In unserer Konstruktion waren das 1.530 mm.

Es folgte der Testaufbau. Hier wurden jeweils eine Seite auf dem Boden aufgebaut und mit Spanngurten fixiert. Dann wurden mit der Magnetfußbohrmaschine die exakten Löcher durch die bereits gebohrten Laschen in die Kastenprofile gebohrt.

Testaufbau Lange Seite  Durch die Fixierung mit den Spanngurten können die Montagelöcher sehr exakt gebohrt werden. Im Vordergrund sieht man die Magnetfußbohrmaschine.

Wichtig für die spätere Montage ist, dass die zusammengehörenden Teile /Bohrungen eindeutig gekennzeichnet sind. Wir haben dies mit der Bohrmaschine gemacht. Dabei sollte man die Markierungen nicht zu klein machen, da sie sonst durch das Verzinken verloren gehen. 

Nach Testaufbau wurde alles wieder demontiert und zur Verzinkerei geschickt. Größere Verzinkereien haben einen Hol- und Bringservice (Das ist bei so großen Teilen echt wichtig!). Bei der Preisanfrage bei der Zinkerei ist unbedingt auch abzufragen, wie die Kosten für diesen Service sind.

Berechnung Dachträger  Den passenden Dachträger haben wir mit einer einfachen Berechnung mit Schneelast und Dachlast in einer Kalkulationstabelle gefunden.
Montage:

Die Montage haben wir auf zwei großen Stahlträgern durchgeführt. Das hat den Vorteil, dass man die Raufe nach der Montage mit den Stahlträgern exakt in die gewünschte Position verschieben lässt.

Zuerst haben wir die langen Seiten auf dem Boden liegend zusammengeschraubt. Um zu vermeiden, dass sich die Profile durchbiegen und die Füllungen herausfallen wurde jeweils um die Mitte der Raufe ein Spanngurt gespannt. 

Die so fixierten Seitenteile wurden dann mit einem Arbeitsgerät (Radlader, Gabelstapler oder Trecker aufgerichtet und ausgerichtet. Durch Anschrauben der unteren Verbindungsträger und das Einsetzen der Dachbalken kann die Konstruktion dann freistehen.

Raufenmontage  Zunächst wurden die langen Seiten der Raufe zusammengeschraubt und das Holz und die Raufenstäbe eingesteckt.

Um der Konstruktion weitere Festigkeit zu geben, wurden jetzt die Siebdruckplatten an den Stirnseiten der Raufe passend gesägt und montiert. Dabei wurde im Eingangsbereich bewusst auf eine Bodenplatte verzichtet, um Katzen die Gelegenheit zu geben, Mäuse und anderes Getier zu jagen. An der Rückwand wurde ein 100 mm breiter Schlitz auf Höhe der Verbindungsbalken erstellt. Hier soll sich der Staub / Dreck und das nicht gefressene Heu herausschieben können. Die Kante der Siebdruckplatte wurde mit einer breiten Aluminiumleiste gegen Verbiss geschützt. 

Im nächsten Schritt wurden die verzinkten und vorgebohrten Winkeleisen in der Höhe der unteren Verbindungsträger minus 22 mm montiert und die Siebdruckplatten darauf mit selbstscheidenden Metallschrauben (LKW Fahrzeugbau) fixiert.

Raufenmontage  Nach der Bodenmontage wurden die Seiten mit den Arbeitsgeräten aufgerichtet und mit den dafür vorgesehenen Trägern so verbunden, dass sie selber stehen können.

In unsere sehr lange Raufe wurden 4 Siebdruckplattenstücke auf die Winkel gelegt. Dabei trat das Problem auf dass sich die Platten je nach Belastung unterschiedlich durchbogen und so stufen in der Futtertischebene entstanden. Diese hätten ein Durchschieben der Ballen unmöglich gemacht. Um dieses Problem zu lösen wurden Aluminium H-Profile beschafft und die Siebdruckplatten damit dauerhaft verbunden. Damit dies gelang musste an den Verbindungsstellen der Siebdruckplatten ein 20 mm breiter 1 mm tiefer Streifen mit einer Oberfräse abgetragen werden.         

Nach diesem Schritt wurde die Raufe in ihre endgültige Position geschoben und die Montageträger durch Anheben der Raufe entfernt. Hier sollte zur Sicherheit wieder ein Spanngurt die Raufe fixieren.

Altheuauswurf  Um Dreck und nicht gefressenes Heu nicht mühselig hinten aus der Raufe herausholen zu müssen, wurde auf der Rückseite ein Schlitz offen gelassen, der später mit einem Aluminium Winkelblech gegen Verbiss geschützt wurde.

Nachdem die Raufe auf dem Boden steht, sollte kontrolliert werden, dass die Raufe gerade steht und alle rechten Winkel auch wirklich 90° Winkel sind. 

Die Montage der Trapezdachbleche erfolgte mit Hilfe der Arbeitsgeräte. Diese wurden mit Palettengabeln ausgestattet. Die Trapezbleche wurden von Hand auf die Gabeln gelegt und die zwei Geräte haben die Bleche synchron hoch gehoben und auf den Dachbalken abgelegt. Auf den Dachbalken ließen sich die Bleche leicht verschieben und positionieren. Nachdem alle Dachbleche auf den Balken lagen und ausgerichtet waren wurden sie mit selbstschneidenden Spezialschrauben auf dem Holzbalken verschraubt. Die Bleche untereinander wurden alle 500 mm mit einer Spezialschraube verbunden. Um eine schöne Optik zu bekommen, wurden Kantbleche rund um die Außenkanten verschraubt.

Die Montage der Tür erfolgte mit Beschlägen, wie man sie bei Boxentüren und -Fenstern kennt. Diese sind im Internethandel lieferbar (siehe Materialliste). 

Der Verschluss der Tür erfolgt auf der Innenseite. Diese Position ist zwar etwas umständlich zu bedienen, aber so bleibt die vordere Wand glatt = verletzungsarm.

Vor dem Verzinken hatten wir ein größeres Loch passend in das Quadratprofil des Türpfostens gebohrt. Als Verschluss wird ein gewöhnlicher pferdesicherer Boxentürriegel verwendet.

Futtertisch Verstärkung  Damit sich alle Siebdruckplatten gleichmäßig durchbiegen, wurden die Platten mit Aluminium H-Profilen verbunden und verschraubt.
Position im Auslauf:

Damit eine Heuraufe gut befüllt werden kann, sollte sie gut mit dem Radlader oder Schlepper erreichbar sein. Raufen deren Öffnung außerhalb des Auslaufs sind, erfüllen diese Forderung. Uns gefiel diese Lösung nicht, da durch diese Position unnötige Winkel entstehen, wo es zwischen den Pferden zu Reibereien kommen kann.

Unsere Raufe steht mit ihrer Befüllseite mit 1,50 m Abstand parallel zum Paddockzaun und vermeidet so tote Winkel an Ende der Raufe. Die 1,60 m breite Tür der Raufe schlägt, wenn man sie öffnet, gegen einen Zaunpfahl der 1,50 m von der Raufe entfernt steht. So wird der 1,50 m breite Gang zwischen Auslaufzaun und Raufe für die Pferde geschlossen.

Heuraufenmontage  Die Trapezbleche auf dem Dach wurden mit Hilfe des Radladers Blech für Blech aufgelegt. Erst nach dem alle Bleche gelegt waren, wurden sie endgültig ausgerichtet und verschraubt.

Das Zauntor wird Richtung Raufe geschoben (bei Elektrozaun: gehängt) und verschließt jetzt die andere Seite des Durchgangs. Der Weg für die neuen Heuballen ist jetzt frei.

Kostenbetrachtung:

Die Kosten eines solchen Projektes lassen sich nicht auf den Cent genau beziffern. Vieles war im Betrieb bereits vorhanden oder wird für andere Projekte weiter benutzt. Die eigene Arbeitszeit lässt sich ebenfalls nicht genau dem Projekt zuordnen. Insgesamt waren unsere Aufwände unter der Hälfte vergleichbarer "Fertiglösungen".

Durchfressraufe fast fertig
Überlegungen zur Verbesserung:

Während der Baumaßnahmen sind mehrere Punkte aufgefallen, die wir im Nachhinein anders machen würden:

  • Die Laschenbreite sollte nicht 60 mm sondern 80 mm sein (siehe auch Materialliste). Damit lassen sich die Verbindungsschrauben besser positionieren.
  • Die Laschen der Verbindungsträger auf der kurzen Seite sollten länger sein, damit die Schrauben zugänglich sind ohne das die Holzfüllung passend gesägt werden muss.  
  • Vor dem Verschrauben sollte zwischen Dachträger (Holz) und dem Kastenprofil ein 100 mm breites verzinktes Blech eingelegt werden um Kerbwirkung auf den Holzbalken zu vermeiden.
  • Zur bessern Aussteifung der Konstruktion wurden nachträglich Diagonalstützen gefertigt und angebracht. Diese sollten im Vorfeld bereits berücksichtigt werden, damit der Korrosionsschutz an den Montagelöchern besser ist. 
  • Wenn die Raufe in einem Bereich ohne Windschutz z.B: durch Bäume stehen soll, ist ein grobes Ladungsträgernetz sinnvoll. Soll die Raufe mit so einem einem Durchfressnetz versehen werden, um Futterverluste durch starken Wind zu vermeiden, kann dieses leicht mit Stuhlschrauben (alle 500 mm) und Ringmuttern (auch Ösenmuttern genannt) durch die Holzfüllung realisiert werden.     
In den folgenden Bildern sind die Fehler / Verbesserungsvorschläge dokumentiert.
Heuraufe mit Ladungssicherung Wenn die Raufe dem Wind sehr stark ausgesetzt ist, sollte man ein Netz über die Ballen spannen.