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Woran erkennt man eine korrekte Zahnbehandlung?

Mit der folgenden Auflistung haben wir den Versuch unternommen, eine für den Laien überprüfbare Checkliste zu formulieren, anhand der er unserer Meinung nach die Leistung und Qualität eines Zahnspezialisten (egal ob Dentist oder Tierarzt) beurteilen kann.

Untersuchung:

  • Vor der Untersuchung steht ein Gespräch mit dem Besitzer.
  • Die Untersuchung beginnt außen am Kopf: Kiefergelenk, Mahlgeräusche, Form und Länge der Schneidezähne.
  • Die Untersuchung erfolgt nicht nur per Auge sondern auch durch Abtasten der Zähne bis zum letzten Backenzahn - es gibt einiges, dass kann man nicht sehen aber sehr wohl fühlen (z.B. blinde Wolfszähne oder gesplitterte Zähne).
  • Wenn nicht abgetastet wird, sollte zumindest ein Spiegel zum Einsatz kommen. Durch die Krümmung des Kiefers kann man die letzten Oberkieferzähne ohne Hilfsmittel nicht sehen.

Behandlung:

  • Bereits während der Behandlung wird das Ergebnis überprüft, um nicht zuviel wegzuraspeln.
  • Glatte Kauflächen sind ein Zeichen für zuviel geraspelt (die natürliche Struktur der Pferdezähne ist ähnlich einem Waschbrett geriffelt).
  • Die Behandlung schließt, wenn notwendig, die vorderen Schneidezähne mit ein. Das Maß der Dinge ist hier, dass die Schneidezähne das Mahlen der Backenzähne nicht verhindern dürfen.
  • Die Behandlung ist so ausgelegt, dass die Zähne oben außen und unten innen ca. 3 mm berundet sind. Damit soll verhindert werden, dass schnell neue Schärfen entstehen.
  • Bei bestehenden Fehlstellungen sind Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Dadurch, dass die Pferdezähne ständig nachgeschoben werden, besteht hier die Chance Fehlstellungen durch gezielte Veränderung von Winkelungen und Eingriff zu korrigieren. Dies sollte immer mit dem Pferdebesitzer besprochen werden, da man hierfür in der Regel mehrere Behandlungen benötigt.

Technik:

  • Es ist ein geeignetes Maulgatter zu verwenden.

    Es gibt verschiedene Maulgatter:
    Die eine Sorte besteht aus einem Keil oder einer Drahtspirale (Tauchsieder-ähnlich) die einseitig zwischen Ober- und Unterkiefer geschoben wird. Diese Maulgatter sind abzulehnen, da es durch die gewaltige Kraft des Kaumuskels zu Zahnabsplitterungen kommen kann, wenn sich diese Kraft auf einen einzigen Zahn oder gar nur eine Zahnspitze konzentriert.Die zweite Sorte besteht aus zwei Beißplatten für die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers die dann mit Spindeln oder einrastenden Hebeln auseinander gedrückt werden. Diese Maulgatter sind gut geeignet.
    Die zweite Sorte besteht aus zwei Beißplatten für die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers die dann mit Spindeln oder einrastenden Hebeln auseinander gedrückt werden. Diese Maulgatter sind gut geeignet.
  • Eine Bohrmaschine mit Verlängerung und Schleifscheibe (nur dieses spezielle Gerät - nicht jede Maschine ist schlecht!) sollte nur dort verwendet werden, wo keine Gefahr besteht unnötig Zahnsubstanz abzuschleifen.
    Unserer Auffassung nach hat dieses recht häufig verwendete Gerät gravierende Nachteile:

    Durch den Schalter im Griff der Bohrmaschine ist ein ergonomisches Arbeiten nicht möglich, das für ein präzises Führen der Maschine aber notwendig ist.
    Durch die Konzentration einer Leistung von ca. 450 Watt auf eine Schleifscheibe von der Größe eines 2 Euro Stücks entsteht am Zahn schnell eine enorme Reibungshitze die schlecht für die im Zahn liegenden Nerven ist. Daher sind mit dieser Maschine schnelle Bewegungen des Schleifkopfes erforderlich, die wieder zu Lasten der Präzision gehen.
    Durch die hohe Leistung wird außerdem oft unnötig viel vom Zahn weggeraspelt, was die Zahnlebenszeit verkürzt und damit letztendlich zu vorzeitigem Zahnausfall führt.
    Ein präzises Berunden der Zahnreihen ist mit dieser Maschine nicht möglich, da eine solche Maschine naturgemäß nur gerade Flächen erzeugen kann.
    Wird mit dieser Maschine auch auf der Kaufläche gearbeitet, werden die gewellten Strukturen der Zähne blitzschnell völlig plan geschliffen. Dadurch wird die Zerkleinerung des Futters (insb. Raufutter) erschwert.
    Obwohl der Kopf dieser Maschine nicht groß ist, ist er doch so groß, dass er bei kleineren Pferdeköpfen (z.B. Araber) nicht zwischen die letzten Backenzähne passt. Gerade hier befinden sich aber oft Haken und Schärfen, die entfernt werden müssen.
  • Keine Raspel mit beweglichem Kopf verwenden, die funktioniert auf den hinteren Backenzähnen nicht, weil dort keine Kraft ankommt (das gilt auch für motorbetriebene Raspeln dieser Bauart).
  • Nicht grundsätzlich mit Sedierung arbeiten. Sedierung ist immer eine Belastung für den Körper die - wenn möglich - vermieden werden sollte (außerdem schont das den Geldbeutel des Besitzers).

Sedierung:

  • Wenn eine Sedierung notwendig wird, muss sie so beschaffen sein, dass das Pferd für die Dauer der Behandlung so ruhig gestellt wird, dass die komplizierte Maschinenarbeit mit höchster Präzision durchgeführt werden kann.
  • Es sind Mittel zu verwenden, die den Kreislauf nicht unnötig belasten. (Als besonders verträglich und zum Ruhigstellen für Zahnbehandlungen geeignet hat sich das Mittel Domosedan erwiesen).
  • Vor der Sedierung ist das Pferd zu untersuchen und ggf. wird ein Kreislaufmittel mitgegeben (insbesondere bei älteren Pferden).

Sonstiges:

  • Der Spezialist sollte möglichst in der Nähe des eigenen Wohnorts beheimatet sein. Was nützt der beste Spezialist, wenn er bei Problemen nicht schnell erreichbar ist.
  • Ein Pferdezahnspezialist sollte mit Pferden umgehen können. Grobheit und Gewalt sind bei einer Zahnbehandlung fehl am Platz.
  • Da gute Spezialisten nichts zu verheimlichen haben, sollte es möglich sein, dass man ihnen bei der Arbeit an einem fremden Stall über die Schulter schauen kann. Nichts ist schwieriger als eine begonnene Behandlung abbrechen zu müssen, weil man sieht das der “Auserwählte” schlechte Arbeit verrichtet.